Nussknacker – Wie entstand die Volkskunst aus dem Erzgebirge?

Wer kennt sie nicht, die typischen Holznussknacker aus dem Erzgebirge. Besonders in der Weihnachtszeit schmücken die unverwechselbaren bunten Holzfiguren mit dem riesigen Mundwerk unzählige Wohnzimmer auf der ganzen Welt. Meist handelt es sich um ernst aussehende Figuren, die Soldaten, Gendarmen, Könige oder Bergleute darstellen. Dieses markante Äußere verdanken die Nutcrackers in erster Linie den Bergleuten im Erzgebirge des 19. Jahrhunderts.


Vom Bergmann zum Nussknacker


Die reichlichen Erzfunde im Erzgebirge gingen im Laufe des 17. – 18. Jahrhunderts zur Neige, so dass viele der dort beschäftigten Bergleute arbeitslos wurden. Sie verfügten aufgrund ihrer Arbeit im Erzabbau zwar über ein besonderes handwerkliches Geschick im Umgang mit Holz, konnten diese Fähigkeiten nun aber nur noch als Hobby nutzten. Das anfängliche Arbeiten und insbesondere das Drechseln von Holz aus der Not heraus machten die arbeitslosen Bergleute rasch zu ihrem Beruf. Sie drechselten dekorative Gegenstände wie Stühle und Schränke sowie Holzspielzeugfiguren, später fertigte man neben diesem Spielzeug auch Holznussknacker an. Hierfür wurde Fichten-oder Buchenholz verwendet aber auch Wolle, Fell und Borsten. Die äußerer Erscheinung der Nusknacker sollte Respekt einflössen und gleichzeitig die damalige Obrigkeit kritisieren. Im Ergebnis wurden die Nussknacker daher in Uniformen gesteckt und mit einem riesigen Maul ausgestattet. Die Holzarbeiten entwickelten sich zu einer eigenen Industrie und einer angesehenen Erzgebirgischen Volkskunst. In mehreren Manufakturen in den Orten Seiffen, Olbernhau und Neuhausen wurden Spielzeuge und Nussknacker gedrechselt und geschnitzt, wobei der typische Erzgebirgische Nussknacker tatsächlich gar nicht zum Nüsse knacken geeignet ist. Diese Region im Erzgebirge ist als sogenannter „Spielzeugwinkel“ bekannt geworden. Nussknacker aus dem Erzgebirge waren schnell ein beliebtes Kinderspielzeug und wurden im 19. Jahrhundert vorwiegend auf Weihnachtsmärkten zu einem erschwinglichen Preis als Geschenk für den Gabentisch angeboten.

Unsterblicher Erzgebirgische Nussknacker

Den Urtyp des Erzgebirgischen Nussknackers stellte Wilhelm Friedrich Füchtner 1865 in Seiffen her, dem als Vorlage die Figur aus einem Bilderbuch diente. Die Geschichte spielte in der Weihnachtszeit, woraus sich der Bezug des Nussknackers zum Weihnachtsfest herleiten lässt. Bis heute besteht die Vorliebe, Nussknacker  aus dem Erzgebirge in der Weihnachtszeit als stimmungsvolle und originelle Dekoration aufzustellen. Die Seiffener Figur leuchtet in glänzendem Rot, Gelb, Blau und Orange und ist mit einer Bergmannskrone und einer mit Ornamenten verzierten Uniform ausgestattet. Diese Nutcrackers werden in dem Familienbetrieb in etwa 120 Arbeitsschritten angefertigt und finden als begehrte Erzgebirgische Handwerkskunst in aller Welt großen Absatz. Im In-und Ausland gleichermaßen beliebt werden Nussknacker aus dem Erzgebirge wohl noch lange Klein und Groß erfreuen.

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